
Vitamin B9, auch als Folat bezeichnet, gehört zu den wasserlöslichen B-Vitaminen. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen “folium“ (Blatt) ab, da Folat erstmals aus Spinat isoliert wurde.
Vitamin B9 kann in unterschiedlichen Formen vorkommen: dem in der Natur vorkommenden “Folat“ und der “Folsäure“, einer synthetischen Folat-Verbindung mit höherer Stabilität für Vitaminpräparate und angereicherte Lebensmittel.
Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B9 in Form von Folat (aus der Nahrung) und Folsäure (aus Supplementierung) ist lebenswichtig und unterstützt den Körper als Coenzym bei der
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die die Gesetzgeber innerhalb der EU in wissenschaftlichen Belangen berät, hat bestätigt, dass Vitamin B9 einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat.
Die Zufuhr von Folat (Vitamin B9) trägt bei zu:
Geburtsfehler
Studien haben herausgefunden, dass Frauen, die vor der Empfängnis und während der ersten vier Schwangerschaftsmonate (mitunter noch vor Feststellung der Schwangerschaft) Vitamin B9 supplementierten, das Risiko von Neuralrohr-Defekten beim Kind um 72 - 100 % verringern können. Zudem kann Folsäure auch Fehlgeburten verhindern, obgleich die Datenlage hierzu auch nicht eindeutig ist *.
Herzkrankheiten
Bestimmte Belege deuten auf eine Risikoverringerung von Herzkrankheiten durch ausreichend Vitamin B9 (Folat) aus der Nahrung. Diese Belege gründen sich jedoch auf Bevölkerungsstudien, nicht auf klinische Versuche *.
Folsäure unterstützt die Regulierung des “Homozystein“-Spiegels im Körper. Da bei Menschen mit Herzkrankheiten der Spiegel dieser Aminosäure meist erhöht ist, vermuten einige Forscher in der Absenkung des Homozystein-Spiegels einen Beitrag zur Vermeidung von Herzkrankheiten, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Allerdings müssten weitere Forschungen klären, ob wirklich ein Zusammenhang zwischen Homozystein und Herzkrankheiten besteht und Folsäure hier mögliche Vorteile bietet.
Krebs
Vitamin B9 (Folat) schützt offenbar vor einigen Krebsarten, vor allem Brust- und Dickdarmkrebs. Diese Hinweise basieren jedoch auf Bevölkerungsstudien mit Menschen, die mit ihrer Ernährung genügend Folat aufnehmen. Diese erkranken tatsächlich seltener an diesen Krebsarten. Bisher gibt es keine Bestätigung dafür, dass Ergänzungspräparate mit Folsäure zur Krebsvorbeugung beitragen *.
Alzheimer
Menschen mit Alzheimer weisen einen niedrigen Folsäure-Spiegel im Blut auf. Allerdings ist nicht geklärt, ob dies in der Krankheit selbst oder der daraus resultierenden Mangelernährung begründet ist. Einige Belege deuten darauf hin, dass eine angemessene Vitamin-B9-Zufuhr – ob aus der Nahrung oder durch Supplementierung – sich im Alter günstig auf das Gehirn auswirken und vor Alzheimer und anderen Formen von Altersdemenz schützen kann. Auch diese Zusammenhänge müssen in weiteren Forschungen untersucht werden *.
* Siehe auch Grundsätze – Die Komplexität der Mikronährstoffforschung
Hinweis:
Jede diätetische oder medikamentöse Behandlung mit hohen Dosen von Mikronährstoffen sollte nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
Depressionen
Einige Studien zeigen, dass 15 - 38 % der Menschen mit Depressionen einen niedrigen Folatspiegel im Körper aufweisen. Menschen mit sehr niedrigem Folatspiegel tendieren am stärksten zu Depressionen. Zudem wurde zu wenig Folsäure im Körper auch mit schlechtem Ansprechen auf Antidepressiva in Verbindung gebracht. Dieser Zusammenhang muss in weiteren Forschungen geklärt werden. Folsäure kann – zumindest bei einigen Menschen – offenbar die Wirkung von Antidepressiva verbessern. Allerdings ist Folsäure selbst kein Ersatz für Antidepressiva.
In Europa schwankt je nach Land die empfohlene Zufuhr für Vitamin B9 (Folat) zwischen 200 und 400 µg pro Tag für Erwachsene. In den USA wurden für Erwachsene täglich 400 µg, für Schwangere 600 µg und für stillende Frauen 500 µg als angemessen festgelegt.
In den meisten europäischen Ländern liegt die durchschnittliche Zufuhr an Vitamin B9 (Folat) unter den staatlichen Empfehlungen. In den USA erfüllt nicht einmal die Hälfte der schwangeren Frauen die Empfehlungen, obwohl die Wirksamkeit von Vitamin B9 (Folsäure) zur Vermeidung von Neuralrohr-Defekten bekannt ist.
Folatmangel ist eine der häufigsten Vitamin-Mangelerscheinungen. Ursachen können unzureichende Zufuhr, beeinträchtigte Nährstoffaufnahme, Stoffwechselstörungen oder erhöhter Bedarf sein.
Die frühen Symptome von Folatmangel sind unspezifisch, z. B. Müdigkeit, Reizbarkeit und Appetitlosigkeit. Schwerer Folatmangel führt zu einer Megaloblastenanämie. Hierbei produziert das Knochenmark große Mengen unreifer roter Blutkörperchen.
Schwangere und stillende Frauen sind vermehrt von Vitamin-B9-Mangel betroffen: Das schnelle Gewebewachstum während der Schwangerschaft und Vitaminverluste in der Stillzeit steigern den Bedarf an Folat/Folsäure. Vitamin-B9-Mangel kann bei schwangeren Frauen verheerende und mitunter tödliche Geburtsfehler (z. B. Neuralrohr-Defekte) verursachen.
Folat kommt in den verschiedensten Lebensmitteln vor. Die reichhaltigsten Vorkommen finden sich in Leber, dunkelgrünem Gemüse, Bohnen, Weizenkeimen und Hefe. Andere Vorkommen sind Eigelb, Milch und Milchprodukte, Rote Beete, Orangensaft und Weizenvollkornbrot.
Eine übermäßige Zufuhr von Vitamin B9 (Folat) aus der Nahrung hat bisher keinerlei schädliche Nebenwirkungen gezeigt.
Prostatakrebs-Risiko
Eine Nachfolgestudie der „Aspirin/Folate Polyp Prevention Study“ (AFPP) wies auf ein häufigeres Auftreten von Prostatakrebs nach mehreren Jahre erhöhter Vitamin-B9-Zufuhr (Folsäure) hin. Experten haben jedoch aufgrund von Mängeln an der Studiengestaltung ernste Zweifel an diesen Schlussfolgerungen erhoben (siehe auch Expertenmeinung).
Darüber hinaus standen die Ergebnisse in eindeutigem Widerspruch zu allen bis dahin veröffentlichten Beobachtungen, nach denen ein guter langfristiger Folatstatus das Krebsrisiko reduziert.
Lungenkrebsrisiko
Durch eine Supplementierung mit hoch dosiertem Vitamin B9 (Folsäure) und Vitamin B12 wurde in einer Studie bei Patienten mit Herzerkrankungen ein erhöhtes Lungenkrebs- und Sterberisiko festgestellt. Allerdings stimmten die Studienergebnisse Experten zufolge nicht mit aktuellen Forschungsergebnissen überein. Diese zeigten, dass eine im Schnitt höhere Folsäurezufuhr bei Erwachsenen mit einer Reduzierung von Krebserkrankungen und einer 50-prozentigen Abnahme des Sterberisikos infolge von Krebs im Zusammenhang steht. Die Ergebnisse der Studie würden die Langzeitvorteile, die eine Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure für unsere Gesundheit haben könnte, nicht widerlegen.
Oberer tolerierbarer Zufuhrwert (UL)
Zur Vermeidung etwaiger schädlicher Nebenwirkungen haben die Gesundheitsbehörden in Europa und den USA für Vitamin B9 einen oberen tolerierbaren Zufuhrwert von 1 mg pro Tag für Erwachsene festgelegt.
Arzneimittelwechselwirkungen
Hinweis:
Da die Möglichkeit einer Wechselwirkung besteht, sollte vor einer gleichzeitigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten Rat von sachkundigem medizinischem Fachpersonal eingeholt werden.