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Einleitung

Als “Vitamin E“ wird eine Gruppe von acht verwandten, fettlöslichen Molekülen bezeichnet. Von all diesen Molekülen weist “Alpha-Tocopherol“ die höchste biologische Aktivität auf und ist im menschlichen Körper in den größten Mengen vorhanden (1). Der Name „Tocopherol“ leitet sich von den griechischen Wörtern “tocos“ (Kindesgeburt) und “pherein“ (bringen, hervorbringen) ab und wurde geprägt, um die entscheidende Rolle des Tocopherols bei der Fortpflanzung verschiedener Tierarten hervorzuheben.


Gesundheitsfunktionen

Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin E (Alpha-Tocopherol) ist wichtig, da dieses Vitamin den Körper bei der Aufrechterhaltung der folgenden Funktionen unterstützt:

  • Schutz der Zellen, Gewebe und Organe vor den schädlichen Auswirkungen „freier Radikale“ (“antioxidative Funktion“), die für den Alterungsprozess verantwortlich sind und zu verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden wie Herzkrankheiten, Krebs und Entzündungen beitragen,
  • Hemmung der Blutgerinnung, durch die der Blutfluss blockiert werden könnte,
  • Regulierung der Erweiterung von Blutgefäßen zur Aufrechterhaltung eines ungehinderten Blutflusses.

 

 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die die Gesetzgeber innerhalb der EU in wissenschaftlichen Belangen berät, hat bestätigt, dass Vitamin E einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat.

 

Die Zufur von Vitamin E trägt bei zu:

 


Minderung des Krankheitsrisikos

Herzerkrankungen
Vitamin E verhindert die Umwandlung von Cholesterin in die als “Plaque“ bezeichneten Fettablagerungen, die sich an die Wände der Blutgefäße anlagern. Es trägt so dazu bei, die Arterien vor Verstopfungen zu bewahren. Zudem verdünnt Vitamin E das Blut und ermöglicht so einen besseren Blutfluss, selbst wenn Plaques vorhanden sind.

 

In zahlreichen klinischen Studien wurde festgestellt, dass das Risiko von Herzkrankheiten, Arteriosklerose und anderen Herz- und Gefäßerkrankungen durch die Einnahme von Vitamin E über die Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel vermindert werden kann.

 

In einer groß angelegten klinischen Studie mit postmenopausalen Teilnehmerinnen konnte beispielsweise durch eine Supplementierung mit Vitamin E das Risiko der Frauen gesenkt werden, Blutgerinnsel in den Venen zu entwickeln. Ein Einfluss auf die Häufigkeit von Schlaganfällen wurde jedoch nicht festgestellt.

 

In mehreren klinischen Studien mit Personen, die aufgrund von Herz- und Gefäßkrankheiten oder Diabetes ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (z. B. Schlaganfall) aufwiesen,  konnte keine Schutzwirkung von Vitamin E nachgewiesen werden *. Es gibt allerdings Anhaltspunkte dafür, dass Vitamin E das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen bei Diabetikern mit einem bestimmten Genotyp, der bei 36 % der Allgemeinbevölkerung vorkommt, reduzieren könnte.

 

Augengesundheit
Da Vitamin E antioxidativ wirkt, könnte sich sein Einsatz im Rahmen der Prävention von Katarakten (Trübung der Augenlinse) und der altersbedingten Makuladegeneration (AMD, Schäden an der Makula an der Innenseite des Auges) bewähren. Diese Augenkrankheiten treten vorwiegend bei älteren Menschen auf und gehen mit einer verminderten Sehkraft einher.

 

Experten empfehlen zur Reduzierung des Erkrankungsrisikos eine Ernährung, die reich an Vitamin E, Vitamin C und Carotinoiden ist.

 

Immunfunktionen
Vitamin E wirkt sich auf bestimmte Aspekte der Immunreaktion positiv aus, die sich mit zunehmendem Alter verschlechtert. In einer klinischen Studie mit Bewohnern von Alterspflegeheimen konnte durch eine tägliche Supplementierung mit Vitamin E das Risiko von Infektionen der oberen Atemwege (und insbesondere von Erkältungen) gesenkt werden. Ein Nutzen bezüglich der Prävention von Infektionen der unteren Atemwege (der Lunge) wurde jedoch nicht beobachtet.

 

Es sind weitere Forschungen notwendig, die der Frage nachgehen, ob durch eine ergänzende Zufuhr von Vitamin E das Erkältungs- und generell das Infektionsrisiko (auch in Bezug auf die Grippe etc.) bei älteren Menschen herabgesetzt werden könnte.

 

Krebs
In klinischen Studien wiesen Menschen mit Krebserkrankungen häufig einen niedrigen Vitamin-E-Spiegel auf. Bevölkerungsstudien lassen zudem den Schluss zu, dass zwischen einer Ernährung mit einem hohen Anteil an Antioxidantien (einschließlich Vitamin E) und einem geringeren Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, ein Zusammenhang besteht.

 

In In-vitro- und Tierexperimenten wurde nachgewiesen, dass Vitamin E das Wachstum von Krebszellen bei einigen Krebsarten (und vor allem bei hormonsensitiven Krebsarten wie Brustkrebs und Prostatakrebs) hemmt. Diese viel versprechenden Ergebnisse konnten in großangelegten Humanstudien bisher jedoch nicht bestätigt werden.

 

Es sind weitere Forschungen nötig, in denen untersucht wird, ob eine Supplementierung mit Vitamin E allein oder in Kombination mit anderen antioxidativen Mikronährstoffen im Rahmen der Prävention und Behandlung von Krebs bei Menschen sinnvoll ist und – wenn ja – welche Dosierung optimal ist.

 

Alzheimer-Krankheit
Es wird angenommen, dass oxidativer Stress bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielt. Antioxidantien wie dem fettlöslichen Vitamin E, das problemlos in das Gehirn gelangen und dort seine antioxidativen Eigenschaften entfalten kann, könnte daher auch in diesem Bereich eine wichtige Funktion zukommen.

 

Die Ergebnisse einiger klinischer Studien deuten einen möglichen Beitrag einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin E und Vitamin C bei der Prävention der Alzheimer-Krankheit an.

 

* siehe auch Grundlagen – Die Komplexität der Mikronährstoffforschung


Weitere Anwendungen

Hinweis:
Jede diätetische oder medikamentöse Behandlung mit hohen Dosen von Mikronährstoffen sollte nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
 

 

Herzerkrankungen
Die Ergebnisse klinischer Studien, in denen der Nutzen von Vitamin E bei der Behandlung von Herzerkrankungen untersucht wurde, sind nicht konsistent. Auch in diesem Bereich sind weitere Forschungen notwendig.

 

Diabetes
Diabetiker sind einem höheren Risiko ausgesetzt, Herz- und Gefäßkrankheiten sowie ähnliche Beschwerden und Erkrankungen zu entwickeln. Ein möglicher Grund hierfür sind die niedrigen Konzentrationen von Antioxidantien, die bei diesen Patienten häufig beobachtet werden. Eine Supplementierung mit Vitamin E und anderen Antioxidantien könnte daher auch zur Prävention von Herzerkrankungen und anderen Krankheiten bei Diabetikern beitragen.

 

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Vitamin E das Risiko für kardiovaskuläre Probleme bei Typ-2-Diabetikern mit einem bestimmten Genotyp – der bei 36% der Allgemeinbevölkerung vorkommt – reduzieren könnte.
Forschungsergebnisse deuten auf folgendes hin: Eine hohe Zufuhr von Antioxidantien bei Typ-2-Diabetikern kann zu einer besseren Regulierung des Blutzuckerspiegels und einer Senkung des Cholesterinspiegels beitragen. Bei Typ-1-Diabetikern scheinen Antioxidantien eine Schutzwirkung auf die Augen und Nieren zu haben und könnten daher zur Prävention entsprechender Erkrankungen („Retinopathie“, “Nephropathie“) eingesetzt werden.

 

Alzheimer-Krankheit
Möglicherweise spielt oxidativer Stress bei der Entstehung bestimmter Formen der Demenz, wie beispielsweise der Alzheimer-Krankheit, eine Rolle, daher könnte Antioxidantien wie Vitamin E im Rahmen der Prävention und Behandlung der Alzheimer-Krankheit eine wichtige Rolle zukommen.

 

Ergebnisse klinischer Studien legen nahe, dass durch eine ergänzende Zufuhr von Vitamin E die kognitive Leistung bei gesunden Personen sowie bei Patienten, die an einer anderen Form von Demenz als Alzheimer leiden (z. B. an einer Demenz infolge mehrerer Schlaganfälle) verbessert werden kann.

 

Augengesundheit
Bei der Uveitis handelt es sich um eine Entzündung der Uvea, der zwischen der äußeren weißen Schicht des Auges und der Retina befindlichen mittleren Augenhaut. Da in der Uvea viele Blutgefäße verlaufen, die das Auge versorgen, kann eine Entzündung dieses Bereichs auch zu Beeinträchtigungen anderer wichtiger Teile des Auges führen.

 

Auch bei der Uveitis könnte sich der Einsatz der antioxidativen Vitamine E und C als nützlich erweisen. In einer klinischen Studie mit Uveitis-Patienten wurde bei den Teilnehmern, die Vitamin-E- und Vitamin-C-Präparate einnahmen, eine bessere Sehschärfe diagnostiziert als bei den Mitgliedern der Placebo-Gruppe.

 

Weitere Beschwerden und Erkrankungen
Auch im Rahmen der herkömmlichen Behandlung von Krankheiten wie der Photodermatitis, entzündlichen Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Osteoarthritis) und der Parkinson-Krankheit sowie zur Prävention von Fehlgeburten könnte sich eine Supplementierung mit Vitamin E als sinnvoll erweisen.

 

Welcher Nutzen jedoch tatsächlich mit einer Vitamin-E-Supplementierung im Rahmen der Prävention bzw. Behandlung dieser Erkrankungen verbunden ist, muss weiterhin in kontrollierten Studien erforscht werden.

 

* siehe auch Grundlagen – Die Komplexität der Mikronährstoffforschung


Zufuhrempfehlungen

Die empfohlenen Zufuhrmengen unterscheiden sich je nach Alter und Geschlecht und sind zudem häufig länderspezifisch. In Europa schwanken die Empfehlungen zwischen 4 – 15 mg Alpha-Tocopherol-Äquivalenten pro Tag für Männer und 3 – 12 mg täglich für Frauen. In den Vereinigten Staaten dagegen wird Erwachsenen eine tägliche Zufuhrmenge von 15 mg natürlichem Alpha-Tocopherol empfohlen.

 

Selbst bei Personen, die sich sehr gesund ernähren, ist eine derart hohe Zufuhr von Vitamin E allein über die Nahrung jedoch unwahrscheinlich. Dies ist insbesondere deshalb problematisch, weil in einem Großteil relevanter Studien ein enger Zusammenhang zwischen einer hohen Einnahmemenge und den potenziellen positiven Auswirkungen dieses Vitamins auf die Gesundheit festgestellt wurde.


Versorgungslage

In mehreren europäischen Ländern liegt die durchschnittliche Zufuhr von Vitamin E mit der Nahrung bei einem Großteil der Bevölkerung unterhalb der empfohlenen Werte. Umfragen in den Vereinigten Staaten zufolge ist die Versorgung mit über die Nahrung aufgenommenem Vitamin E bei mehr als 90 % der Bevölkerung unzureichend.


Mangelerscheinungen

Vitamin E wird in verschiedenen Geweben gespeichert. Da es sehr lange dauert, bis diese Vitamin-E-Speicher erschöpft sind, entwickeln sich bei gesunden Erwachsenen, die nicht genügend Vitamin E mit der Nahrung aufnehmen, im Allgemeinen keine Symptome eines Vitamin-E-Mangels.

 

Symptome eines Mangels können jedoch bei Patienten mit Fettabsorptionsstörungen oder Leberkrankheiten sowie bei Neugeborenen (und insbesondere bei Frühchen) auftreten.

 

Zu den Symptomen eines Vitamin-E-Mangels gehören Muskelschwäche, ein Verlust von Muskelmasse, abnorme Augenbewegungen, ein vermindertes Sehvermögen und eine unsichere Gangart.

 

Ein chronischer Mangel kann zudem zu Funktionsstörungen der Nieren und der Leber führen. Auch habituelle Aborte (wiederholte Fehlgeburten) und Frühgeburten werden mit einem schweren Mangel an Vitamin E in Verbindung gebracht.


Vorkommen

Pflanzenöle (Oliven-, Sojabohnen-, Palm-, Maiskeim-, Distel- und Sonnenblumenöl) sowie Nüsse, Vollkornprodukte und Weizenkeime zählen zu den Hauptnahrungsquellen. Samen und grüne Blattgemüse weisen ebenfalls viel Vitamin E auf. In Gemüse, Obst, Milchprodukten, Fisch und Fleisch ist relativ wenig Vitamin E enthalten.

 

Der Vitamin-E-Gehalt von Nahrungsmitteln wird häufig in “Alpha-Tocopherol-Äquivalenten“ (Alpha-TÄ) ausgedrückt. Dieser Begriff wurde eingeführt, um den Unterschieden bezüglich der biologischen Aktivität der verschiedenen Formen von Vitamin E Rechnung zu tragen (1 mg Alpha-Tocopherol = 1 Alpha-TÄ).


Sicherheit

Im Allgemeinen gilt selbst die regelmäßige Einnahme von Vitamin E in einer Menge von bis zu 1000 mg/Tag als unbedenklich.

 

Bei manchen Personen kann durch eine langfristige Einnahme von Alpha-Tocopherol-Präparaten allerdings die Blutungsneigung erhöht werden. Aus diesem Grund empfehlen manche Ärzte, hoch dosierte Vitamin-E-Präparate etwa einen Monat vor elektiven chirurgischen Eingriffen abzusetzen.

 

Sterberisiko
Die Ergebnisse einiger Studien deuten darauf hin, dass eine Zufuhr von mehr als 270 mg Vitamin E pro Tag das Sterberisiko („Mortalität“) erhöht. Allerdings wurden bei diesen Studien Personen untersucht, die ein hohes Risiko aufwiesen, eine potenziell tödliche chronische Krankheit zu entwickeln. Diese Resultate sind daher umstritten und können nicht ohne weiteres auf gesunde Personen übertragen werden.

 

In vielen Humanstudien, bei denen den Teilnehmern über einen längeren Zeitraum hohe Dosen an Vitamin E verabreicht wurden, konnten keinerlei Nebenwirkungen festgestellt werden. Gemäß den Ergebnissen dieser Studien ist eine Zufuhrmenge von bis zu 1073 mg Vitamin E pro Tag bei Erwachsenen unbedenklich.

 

Oberer tolerierbarer Zufuhrwert (Tolerable Upper Intake Level, UL)
In der EU wurde für Erwachsene ein oberer tolerierbarer Zufuhrwert von 300 mg Alpha-TÄ pro Tag festgelegt. Im Vereinigten Königreich wird davon abgeraten, täglich mehr als 540 mg Vitamin E ergänzend zuzuführen und in den Vereinigten Staaten gilt in Bezug auf eine Zufuhr in Form von Alpha-Tocopherol-Präparaten eine Obergrenze von 1000 mg/Tag.

 

Arzneimittelwechselwirkungen
Hinweis:
Da die Möglichkeit einer Wechselwirkung besteht, sollte vor einer gleichzeitigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten Rat von sachkundigem medizinischem Fachpersonal eingeholt werden.

Letzte Aktualisierung: 24.10.2011